Selbsterfahrung

Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich ?
Wenn ich nur für mich bin, was bin ich dann ?
Wenn nicht jetzt-wann ?
Talmud

 

 

Selbsterfahrungsgruppen haben sich aus Vorläufern verschiedener Gruppentherapie-Methoden (T-oder Encounter-Gruppen) heraus entwickelt und verwenden teilweise auch deren Strategien. Sie unterscheiden sich von Therapiegruppen dadurch, dass sich die Teilnehmer nicht als ausdrücklich hilfsbedürftig definieren sondern eine persönliche Entwicklungsmotivation mitbringen. Von Selbsthilfegruppen lassen sie sich durch die Rolle einer kompetenten Leitung abgrenzen.
Die Teilnehmer haben das gemeinsame Anliegen, ihre Persönlichkeit möglichst umfassend zu entfalten, und sich in ihrem individuellen Wachstums- und Lernprozess gegenseitig wohlwollend und ehrlich zu unterstützen. *

Dies findet aber nicht durch Erteilung von Ratschlägen sondern durch Austausch persönlichen Erlebens im hier und jetzt statt. Indem jeder Teilnehmer sich mit seiner Person als Instrument zur Verfügung stellt, antwortet er dem Gegenüber in persönlicher Resonanz. Spezielle Übungen dienen dazu, die Wahrnehmung zu inten-sivieren, durch Training Blockaden aufzulösen und

                                                                                                   biografisch bedeutsame Erinnerungen auszulösen.

Grundannahme jeder Gruppenarbeit ist, dass der Mensch von Natur aus ein soziales Wesen ist. Eine Gruppe verhilft analog einem vielfältigen lebendigen Spiegel zu besserer Erkenntnis eigener Stärken und Schwächen. Unter kompetenter Leitung verfügt eine Gruppe über mehr Weisheit, als die Teilnehmer als Einzelne besitzen. Eine Selbsterfahrungsgruppe beinhaltet daher die Chance, eigenes und fremdes Erleben als Grundlage für einen Lerngewinn zu nutzen i.S. einer wertvollen Möglichkeit zusätzlicher konzentrierter Lebenserfahrung.

Sofern nicht schwerwiegende persönliche Entwicklungshindernisse vorliegen, erleben sich die Teilnehmer von Selbsterfahrungsgruppen nach einem gewissen Zeitraum gemeinsamen Austausches in ihren Möglichkeiten erweitert, in verschiedenen Bereichen deutlich gestärkt, aktiviert, vitalisiert und in ihrer persönlichen Kompetenz bereichert.
Unter der Voraussetzung vorhandener Eigenmotivation stellt im Lebenslauf wiederholte Selbsterfahrung eine optimale psychohygienisch wirksame Psychoprophylaxe dar. Vor allem Angehörigen helfender Berufe ist solche Form verbesserter Selbstfürsorge zur Verarbeitung psychisch belastender Erfahrungen im Arbeitsleben nahe zu legen.

 

* Schweigepflicht gegenüber Außenstehenden wird rechtsverbindlich vereinbart.

 

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Literatur

Joachim Bauer

Warum ICH fühle, was DU fühlst - Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneuronen

Hoffmann und Campe 2005

Daniel Golemann

Emotionale Intelligenz

dtv  1997

Abraham A. Maslow

Psychologie des Seins

Geist und Psyche-Fischer Taschenbuch Verlag 1990

Friedemann Schultz von Thun

Miteinander reden - Das "Innere Team" und situationsgerechte Kommunikation

rororo 2006