Kreapädie
Das Geheimnis des Tuns liegt im Wissen, wann man nichts tun soll
C. Castaneda

Kreapädie orientiert sich an einer philosophisch-psychologischen Auffassung von Kreativität, die auf das eigene Leben angewandt wird.
Zum Unterschied von dem allgemein verbreiteten Verständnis fasst Krepädie Kreativität weniger als Voraussetzung zu herausragender künstlerisch genannter Leistung auf. In der Kreapädie wird Kreativität zum Unterschied von Produktivität nicht in erster Linie als Leistung sondern ein Geschenk betrachtet, das geeignete Bemühungen hierum voraussetzt. Kreapädie betrachtet Kreativität als erwünschtes Ergebnis ganzheitlichen Selbstverständnisses, das uns ermöglicht, uns selbst immer wieder neu zu inspirieren. Durch solche kreative Haltung kann sich der Mensch diejenigen Eigenschaften erhalten, die lebendige Systeme grundsätzlich auszeichnen wie Flexibilität, Reaktions-und Austauschbereitschaft, Entwicklung durch Lernen, Selbsterneuerung und nicht erschöpfbare Motivation.
Befreit von Blockaden wird durch kreapädisches Training eine bestimmte Form fließender Energie stimuliert, die das Lebensgrundgefühl vor zerstörerischen Einflüssen durch Routine, Vernachlässigung, Über-und Unterforderung oder Sinnverlust bewahren hilft. Ebenso wie das Phänomen des Lebens selbst lässt sich Kreativität solcher Art in ihren Voraussetzungen, Bedingungen und verschiedenen Erscheinungsformen beobachten und indirekt begünstigen, doch weder erschöpfend definieren noch unmittelbar erzeugen.
Kreapädie sieht in so verstandener Kreativität eine wesentliche Voraussetzung für ein als erfüllt empfundenes Leben und damit eine der wichtigsten Ressourcen, die vor einem Burnout schützen können. Ihre Auswirkungen zeigen sich in Vitalität, Gestimmtheit und Antrieb, Konfliktlösung, Ausdruck und Kommunikation, bis hin zum Bereich vegetativer Funktionalität und Kapazität der Immunabwehr ( s. Salutogenese).
Psychologische Dynamik
Kreativität ist nicht allein für die Schaffung von Kunstwerken sondern nicht zuletzt für kreative Konfliktlösungen unerlässlich. Im Konflikt gefangen sind wir hin- und hergerissen zwischen zwei entgegengesetzten Richtungen. Solange wir uns auf der Ebene der Gegensätze bewegen, bleibt uns verborgen, dass der Konflikt uns im Grunde von einer verdeckten wichtigeren Frage ablenkt. Wir neigen in dieser Situation zu drei möglichen Auswegen : Kompromiss, Resignation, Kompensation. Alle drei erfüllen keine der beiden Richtungen sondern ersparen uns lediglich vorläufig eine anstehende Auseinandersetzung auf der existentiellen Ebene. Danach vergeht Zeit bis zum Auftauchen des nächsten Konfliktes. Solange wir Konflikte nicht als Selbsttäuschungsmanöver entlarven, können wir nicht aus eigener Erfahrung lernen und entwickeln uns daher nicht weiter. Wir hindern uns damit aber auch daran, Zufriedenheit zu erreichen. Kreative Konfliktlösungen finden auf einer existentiellen Ebene statt und setzen voraus, dass wir den Konflikt zuvor als Manöver enttarnen, um ihn dann loslassen zu können. Jedes Loslassen kostet uns auch einen Preis.
Kreative Verfassung
Kreativität empfängt ihre Impulse aus der leib-seelischen Selbstwahrnehmung. Nur wenn diese nicht durch Blockaden eingeschränkt ist, kann fließender Austausch zwischen allen Elementen stattfinden. Diese Verfassung ist auch eine Voraussetzung für die Ablösung von Konflikten. Zuwendung zu tieferen Anliegen stellt sich dann von alleine ein, wenn nicht in Auswege geflüchtet sondern die Spannung gehalten wird. Im Zustand der Selbstblockade ist keine Konfliktlösung möglich. Diese Verfassung ist unlebendig, und unkreativ, muss aber u.U. aufgrund von Gewöhnung oder Zerstreuung nicht als beschwerlich erlebt werden. Wiederbelebung der Kreativität durch Aufhebung der Blockaden kann vorübergehend gewisse Beschwerden auftauchen lassen.
Eine spielerische Haltung als Zustand lockeren Schwingens unter gehaltener Spannung löst Verkrampfungen auf. Kennzeichnend für diese Verfassung ist eine Akzeptanz aller damit verbundener Gefühle ohne Bewertung.
Training der Selbstwahrnehmung
Die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung bedarf der Pflege und Aufmerksamkeit. Sie bedeutet, dass der Mensch sich nicht ausschließlich auf Handeln konzentriert, sondern der Wahrnehmung innerer Vorgänge zusätzlichen Raum gewährt.
Selbsterfahrung will geweckt und geübt sein, damit sie aufmerksam und reagibel wird und dies bleibt.
Neue Lebensabschnitte bringen neue Herausforderungen mit sich, die eher kreativ verarbeitet werden können, wenn von Zeit zu Zeit eine Art innerer Inventur stattfindet. Durch eine solche wird offensichtlich, in welchen Bereichen das Leben stagniert, indem Abgelebtes nicht freigegeben werden kann. Erst eine mehr oder weniger schmerzhafte Trennung von "Lebensmüll" schafft Raum für neue Erfahrungen als Voraussetzung für Lernen und Entwicklung.
Kultivierung der Kreativität kostet also einen gewissen Aufwand an Mühe und Energie. Sie fällt demjenigen als Geschenk zu, der ihr entsprechenden Stellenwert beimisst.