Musikalische Improvisation Wahres Wissen kommt nicht aus dem Intellekt,
![]() Musikalische Improvisation bedeutet spontane Kom-munikation durch Austausch akustisch wahrnehmbarer Signale. Die Teilnehmer einer musikalisch improvisierenden Selbsterfahrungsgruppe sind i.d.R. nicht ausgebildete Musiker, die bestimmte Instrumente zu beherrschen gelernt haben, sondern Laien. Es werden hauptsächlich einfache Klang-und Rhythmusinstrumente benutzt, die jedermann ohne Vorkenntnisse zum Tönen bringen kann. AuswirkungenAls Ergänzung einer Selbsterfahrungsgruppe fördert die Einbeziehung musikalischer Improvisation die Wahrnehmung von Emotion und Körpergefühl, beflügelt kreative Intuition, belebt spontanen Ausdruck, kultiviert Empathie, bereichert Beziehungsfähigkeit, stärkt Selbstwahrnehmung, Selbstbewusstsein und Vitalität. Aktives Zuhören wird trainiert. Der besondere als befreiende erlebte Einfluss musikalischer Improvisation auf das Lebensgefühl ist allgemein bekannt. Während ausschließliche verbale Kommunikation linkshirnig betont das Individuum in alten Denkstrukturen und Selbstkonzepten gefangen hält, eröffnet ihm ungewohnte Kommunikation über den Hörkanal neue Möglichkeiten der Selbstgestaltung. Interpretation
Wesentliches Charakteristikum von Improvisation ist das Spielerische im Gegensatz zu ehrgeizbetonter Leistung, planvoller Gestaltung und professionell gekonnter Darbietung. Sich auf eine spielerische Ebene ernsthaft, aufmerksam und offen einzulassen, macht nicht nur Freude sondern verändert auch das Bewusstsein. Selbstvergessenes Spielen versetzt in die zeitlose Erfahrungswelt des hier-und jetzt. Das Geschenk zufällig entstandener, nur im Augenblick erfahrbarer Schönheit, Erleben ungeahnt intensiver Stille spenden tiefen Trost und lassen staunen.
Erfahrung von Ganzheit und Zugehörigkeit
Im musikalischen Austausch widersprechen sich Gegensätze nicht sondern ergänzen sich wechselseitig zum Ganzen. Intensiviertes Hören von sich selbst schließt in der Improvisation das Hören des Anderen auch nicht aus sondern bezieht diesen ein, auch wenn gleichzeitig "gesprochen" wird. Frage, Antwort und Handlung bilden eine Einheit. Der in der Gruppe improvisierende Mensch erfährt sich als Individuum und gleichzeitig als Teil eines Kollektivs und entdeckt dabei seine Freiräume. __________________________________________________________________________________________________ Literatur Wolfgang Bossinger , Raimund Eckle (Hrsg) Schwingung und Gesundheit- Neue Impulse für eine Heilungskultur aus Wissenschaft, Musik und Kunst Traumzeit-Verlag 2008 Erich Fromm Von der Kunst des Zuhörens Therapeutische Aspekte der Psychoanalyse Heyne-Verlag 1981 Robert Jourdain Das wohltemperierte Gehirn - Wie Musik im Kopf entsteht und wirkt Spektrum Akademischer Verlag 2001 Johan Huizinga Homo ludens - Vom Ursprung der Kultur im Spiel rororo 1994 Readers Neues Funkkolleg Der Aufstand des Ohrs - die neue Lust am Hören Vandenhoeck & Ruprecht 2006 Tonius Timmermann Klingende Systeme - Aufstellungsarbeit in der Musiktherapie Carl-Auer-Systeme-Verlag 2003
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