Musikalische Improvisation

     Wahres Wissen kommt nicht aus dem Intellekt,
  sondern aus dem unmittelbaren Kontakt
Gurdjeff

 

 

Musikalische Improvisation bedeutet spontane Kommunikation durch Austausch akustisch wahrnehmbarer Signale. Die Teilnehmer einer musikalisch improvisierenden Selbsterfahrungsgruppe sind i.d.R. nicht ausgebildete Musiker

sondern Laien. Es werden hauptsächlich einfache Klang-und Rhythmusinstrumente benutzt, die jedermann ohne Vorkenntnisse zum Tönen bringen kann.
Das Musikverständnis der Improvisation ist sowohl sehr modern (Jazz) als auch sehr alt. Musikalische Äusserungen hatten ursprünglich (bis zum Barock) immer eine vorrangige Bedeutung als Kommunikation, nicht als Darbietung.

Wirkungen und Interpretation

Als Ergänzung einer Selbsterfahrungsgruppe fördert die Einbeziehung musikalischer Improvisation die Wahrnehmung von Emotion und Körpergefühl, belebt spontanen Ausdruck und Intuition, kultiviert Empathie, bereichert Beziehungsfähigkeit, stärkt Selbstwahrnehmung, Selbstbewusstsein und Vitalität. Aktives Zuhören wird trainiert.

Während ausschließliche verbale Kommunikation linkshirnig betont das Individuum in alten Denkstrukturen und Selbstkonzepten gefangen hält, eröffnet ihm ungewohnte Kommunikation über den Hörkanal neue Möglichkeiten freier Selbstgestaltung.

Wesentliches Charakteristikum von Improvisation ist das Spielerische im Gegensatz zu ehrgeizbetonter Leistung, planvoller Gestaltung und professionell gekonnter Darbietung.


Improvisierendes Experimentieren gleicht einem Sprung ins Unbekannte und inspiriert daher Mut. Die Flow-Qualität voraussetzungsloser Freude an eigener zweckfreier Aktivität wird erlebbar.

Im musikalischen Austausch widersprechen sich Gegensätze nicht sondern ergänzen einander. Intensiviertes Hören von sich selbst schließt in der Improvisation das Hören des Anderen nicht aus, auch wenn gleichzeitig "gesprochen" wird. Frage, Antwort und Handlung bilden eine Einheit.

Der in der Gruppe improvisierende Mensch erfährt sich als Individuum und gleichzeitig als Teil eines Kollektivs und entdeckt dabei neue Freiräume.

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Literatur

Wolfgang Bossinger , Raimund Eckle (Hrsg)

Schwingung und Gesundheit- Neue Impulse für eine Heilungskultur aus Wissenschaft, Musik und Kunst

Traumzeit-Verlag 2008

Erich Fromm

Von der Kunst des Zuhörens

Therapeutische Aspekte der Psychoanalyse

Heyne-Verlag 1981

Robert Jourdain

Das wohltemperierte Gehirn - Wie Musik im Kopf entsteht und wirkt

Spektrum Akademischer Verlag 2001

Johan Huizinga

Homo ludens - Vom Ursprung der Kultur im Spiel

rororo 1994

Readers Neues Funkkolleg

Der Aufstand des Ohrs - die neue Lust am Hören

Vandenhoeck & Ruprecht 2006

Tonius Timmermann

Klingende Systeme - Aufstellungsarbeit in der Musiktherapie

Carl-Auer-Systeme-Verlag 2003